WHEN NOTHING GOES RIGHT GO LEFT

Jedes Jahr findet am 13. August der internationale Weltlinkshändertag statt. Dean R. Campbell, der 1975 die Organisation „Lefthanders international“ gründete, rief 1976 diesen Tag zum Linkshändertag aus, um auf die Probleme von LinkshänderInnen in einer Rechtshänderwelt aufmerksam zu machen.

Mittlerweile gibt es ja fast schon an jedem Tag im Jahr irgendeinen celebration day – für was auch immer. Aber der Weltlinkshändertag hat tatsächlich dazu geführt, dass es an diesem Tag von Jahr zu Jahr zunehmend mehr Berichte in den verschiedensten Medien über die Linkshändigkeit gibt, die ansonsten ein sehr bescheidenes Dasein in unserer rechtshänderlastigen Gesellschaft fristet.

So kam es, dass in diesem Jahr der Deutschlandfunk-Kulturradio ein Interview mit Marina Neumann (Dipl.Psychologin/ Linkshänderberatung), Oliver Gössel (Musiker/ Linkshänderberatung) und mir aufzeichnete. Leider konnte es nicht am Weltlinkshändertag selbst gesendet werden, da das Zeitfragen-Magazin am Wochenende nicht on air ist.

Zum Glück sind wir jedoch im Archiv des Deutschlandfunks gelandet und so kann ich euch heute, am eigentlichen celebration day, in Wort und Ton mit dem Interview beglücken :

https://www.deutschlandfunkkultur.de/linkshaender-umschulung-folgen-100.html

Zudem hat mein LIED VOM STARKEN HÄNDCHEN – nach zwei Jahren in der Corona-Schublade – seinen Weg in die Welt gefunden. Nachdem meine geniale Tochter und meine wundervollen Enkel schnell noch ein kleines Musikvideo für die Oma gedreht haben, konnte ich das Lied jetzt endlich, und noch rechtzeitig zum Weltlinkshändertag, auf youtube hochladen:

Dieses Kinderlied habe ich geschrieben und vertont mit der Intention, die Leute für das Händigkeitsthema zu sensibilisieren.

In einer Welt, die nur für Rechtshänder gebaut ist, fällt es ganz vielen Kindern schwer, bei ihrer angeborenen Linkshändigkeit zu bleiben. Kinder machen nach, was sie sehen. Und wenn Mama und Papa alles mit rechts machen, dann machen die meisten linkshändig geborenen Kinder das aufgrund der Spiegelneuronen nach. Außerdem tragen wir Menschen archaisch immer noch ein Programm in uns, das bewirkt, dass wir dazugehören, wie alle anderen sein und nur nicht auffallen wollen. Das hat zu Urzeiten mal unser Überleben gerettet. Heute bräuchten wir das nicht mehr in der Weise. Aber leider ist diese Programmierung bei den meisten (oft völlig unbewußt) immer noch, mal mehr oder mal weniger, aktiv – vor allem, wenn es noch ungelöste Traumata im Familiensystem gibt.

Ich möchte mit meinem Lied daran erinnern, dass es viel viel mehr linkshändig geborene Kinder gibt, als die, die wir sichtbar in den Kitas und Schulen finden können Und dass es dringend Eltern, ErzieherInnen und LehrerInnen braucht, die diesen Kindern helfen – trotz rechtshändigem Umfeld – bei ihrer angeborenen Linkshändigkeit zu bleiben bzw. wieder dahin zurückzufinden.

Was wir in dieser Gesellschaft brauchen, ist linkshändiges Selbstbewusstsein. Es braucht das Wissen um die negativen Auswirkungen der falsch gelebten Händigkeit. Es braucht das Wissen um die psychischen und körperlichen Beschwerden, mit denen diese Kinder – wenn die Linkshändigkeit unerkannt bleibt – oftmals ein Leben lang zu kämpfen haben und deren Ursachen bislang kaum jemand in der Händigkeitsthematik vermutet. Es braucht das Wissen um die verschlossenen Potential-Türen, zu denen diese Kinder oftmals keinen Zugang finden. Oder, zwar einen Zugang finden, aber es eventuell nicht schaffen, das Gefundene adäquat zum Ausdruck zu bringen.

Wenn ein Kind keine Probleme beim Schreiben mit rechts hat und auch ansonsten sehr geschickt mit seiner rechten Hand ist, gehen die meisten davon aus, dass es RechtshänderIn ist. Weil das ja „das Normale“ ist. Was die wenigsten Menschen im Blick haben, ist, dass das Gehirn sich nicht automatisch an eine andere Händigkeit anpasst. Ein rechtshirndominantes (also linkshändiges) Kind wird immer ein rechtshirndominanter Mensch bleiben. Auch wenn es alles mit seiner rechten Hand macht. Das bedeutet, dass sein Hirn Stress bekommt. Mal mehr und mal weniger. Weil jetzt alles, durch den Impuls mit der rechten Hand einen „Umweg über die linke Gehirnhälfte“ machen muß. Das kann früher oder später zu Störungen – auf allen Ebenen – führen. Und bringt Stress ohne Ende!!! Und kostet unnötige Energie !!!

Als die Studioversion vom Starken Händchen im Sommer 2020 endlich fertig war, konnte ich das Lied gar nicht in die Welt hinausschicken, denn „Hände geben“ war zu dieser Zeit erst mal tabu.

Dann kam auf einmal die Inspiration, in der Zwischenzeit ein Kinderbuch mit dieser Thematik zu schreiben und es entstand :

Der magische Handschuh & die zwei Welten

Vorentwurf für das Buchcover von Sebastian Vollmar

Die Geschichte handelt von Mira Bella, einem Mädchen, das durch einen magischen Handschuh aus der Rechtshänderwelt, in der die Linkshändigkeit nicht existieren darf, über Nacht ganz plötzlich in der Linkshänderwelt landet, in der die Rechtshändigkeit nicht sein darf.

In der Rechtshänderwelt war sie die Loserin, die Außenseiterin, die sich überall fehl am Platz vorkam, während ihr Zwillingsbruder Henri der beliebte Musterschüler war, dem alles leicht von der Hand ging.

In der Linkshänderwelt ist es nun genau umgekehrt. Sie fühlt sich hier zuhause und ist jetzt Klassenbeste, während es Henri nun sehr schlecht geht und er immer aggressiver und aufsässiger wird.

Dann passiert ein Unglück und Mira Bella, die als einzige von den zwei Welten weiß, muß eine Lösung finden. Und diese Lösung wäre EINE gemeinsame Welt, in der es sowohl Linkshändigkeit, als auch Rechtshändigkeit gleichwertig! geben darf.

Also machen sich die zwei auf den Weg, den zweiten magischen Handschuh zu finden, um die beiden Welten zu vereinen. Dunkle Mächte wollen dies jedoch verhindern und so wird die Mission für die Zwillinge ein gefährliches Abenteuer, bei denen ihnen ihre magischen Krafttiere und außergewöhnliche, weise Wesen auf einem fernen Planeten helfen.



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Das Buch wird gerade noch mit supertollen Zeichnungen von Sebastian Vollmar (einem linkshändigen Grafiker) versehen und ist dann bereit, in die Welt entlassen zu werden.

Und vielleicht finden sich ja ein paar gute Geister, die sowohl dem Buch helfen, einen passenden Verlag zu finden, als auch dem Lied, in die Kinderradios zu kommen. Meiner Meinung nach wird es höchste Zeit, dass endlich! sowohl in der Kinderbuchwelt, als auch bei den Kinderliedern etwas für all die linkshändigen Kinder zu finden ist.

Als selbst Betroffene, die 55 Jahre lang mit der falschen Händigkeit gelebt hat, gibt meine innere Forscherin bis heute keine Ruhe, um herauszufinden, wie das passieren konnte.

Und so stelle ich mir seit 8 Jahren, seit ich meine Linkshändigkeit entdecken durfte, die Frage :

WARUM SCHAFFEN ES MANCHE KINDER BEI IHRER LINKSHÄNDIGKEIT ZU BLEIBEN UND ANDERE HABEN NICHT EINMAL DEN LEISESTEN SCHIMMER DAVON, DASS SIE LINKSHÄNDER/INNEN SEIN KÖNNTEN ?????

Wieso schaffen es manche Rechtshirn-dominante (also linkshändige) Kinder, trotz komplett rechtshändigem Umfeld, ganz selbstverständlich alles mit ihrer starken, linken Hand zu machen ???

Und warum machen andere Rechtshirn-dominante Kinder alles mit rechts, obwohl ein Elternteil alles mit links macht, also ein linkshändiges Vorbild da ist ???

Ich schaute mir Horoskope an. Und fand bei den einen Konstellationen, die eher dazu führen, sich an das Umfeld anzupassen, und bei anderen Konstellationen, die eher dazu führen, ganz klar bei sich selbst zu bleiben.

In systemischen Aufstellungen zeigten sich bei manchen heftige, mitgebrachte karmische Traumata oder auch übernommene systemische Traumata aus den Ahnenlinien, die einen Zugang zur eigenen Linkshändigkeit überhaupt nicht zuließen.

Je nachdem, welches Leid unsere Vorfahren durch die über Jahrhunderte verbotene Linkshändigkeit erfahren haben, kann dieses Thema ein stark wirkendes unbewußtes Tabu in der Familie sein. Kaum ist das Tabu jedoch vom Tisch, entdeckt man auf einmal die ganzen „versteckten“ Linkshänder. (Siehe dazu auch unseren Artikel zum Tabu der Linkshändigkeit)

Und dann bekam ich vor kurzem durch meine Freundin Birge den Impuls, mir das Hamer’sche Konzept der seelischen Ursachen von Krankheiten, basierend auf den 5 biologischen Naturgesetzen anzuschauen. In diesem therapeutischen Format wird – kaum zu glauben – tatsächlich zuallererst einmal nach der Händigkeit geschaut. Und daraus ergibt sich dann eine Regel, die für Mann und Frau gleichermassen gilt:

«Bei LinkshänderInnen ist die rechte Körperhälfte die Mutter/Kind-Seite. Diese Seite hat Bezug zur eigenen Mutter, eigenen Kindern oder Menschen und Tieren, für die man so empfindet.

Die linke Körperseite ist beim Linkshänder die Partner-Seite (Lebens-oder Geschäftspartner, Freunde, Feinde, Partner-Haustiere, Arbeitskollegen, Nachbarn, Verwandte und alle anderen Menschen)

Bei RechtshänderInnen ist es genau umgekehrt. »

(aus dem Buch von Björn Eybl : Die seelischen Ursachen der Krankeiten)

Hört sich interessant an, da man dadurch bei gesundheitlichen Problemen Rückschlüsse auf eventuelle Konflikte mit bestimmten Personen ziehen kann – wenn denn die Händigkeit sicher festgestellt werden kann. Was meiner Erfahrung nach mit einem einfachen Klatschtest (wie er hier praktiziert wird) nicht wirklich machbar ist.

Aber was für mich noch spannender war, hat etwas mit dem dominanten Auge zu tun, denn Dr. Hamer behauptet, die Dominanz der Augen hat nichts mit der Händigkeit zu tun. Also müssten Linkshänder nicht unbedingt ein dominantes linkes Auge, und Rechtshänder nicht unbedingt ein dominantes rechtes Auge haben.

Und so könnte es vielleicht dazu kommen, dass es einem linkshändig geborenen Kind mit einem dominanten rechten Auge – im Zuge seiner Anpassung an das rechtshändiges Umfeld – viel leichter fällt, mit rechts zu schreiben und auch andere wichtige Dinge mit der rechten Hand zu tun, als einem linkshändigen Kind mit einem dominanten linken Auge. So könnte aus dem linkshändigen Kind mit dominantem rechten Auge ganz leicht ein pseudorechtshändiges Kind werden und niemand merkt es, am allerwenigsten das Kind selbst.

Da es mich natürlich nun sehr interessiert, ob etwas an dieser Theorie dran ist, nerve ich gerade alle, die mir in die Quere kommen, damit, dass sie mal testen sollen, welches ihr dominantes Auge ist.

Das geht übrigens ganz leicht :

Halte beide Augen geöffnet und zeige nun mit deinem Daumen auf einen entfernten Gegenstand und verdecke ihn (scheinbar) damit. Schließe nun ein Auge und wechsle dann zum anderen Auge und schließe dieses. Sollte sich der Finger nicht bewegen und bleibt am Gegenstand fixiert, ist das Auge, das in dem Moment geöffnet ist, dein dominantes Auge. Beim nicht-dominanten Auge rutscht der Daumen ein Stück zur Seite.

Für mich hat dieser Test – aktuell – ganz klar ein dominantes rechtes Auge ergeben.

🤔 Wobei ich mir nicht wirklich sicher bin, ob das schon von Geburt an so war, oder ob etwas in früher Kindheit geschehen ist, weshalb das linke Auge sich „abgeschaltet“ und dem rechten die Führung überlassen hat. Ich erinnere mich, dass sie mir in der 2. Klasse eine Brille verpasst haben, die ich nie tragen konnte, weil auf der rechten Seite Fensterglas war und nur die linke Sehstärke hatte. Und diese Brillenaktion haben sie in den folgenden Jahren immer wiederholt, wenn ich irgendwelche Schwierigkeiten in der Schule hatte. So lagen dann irgendwann die verschiedensten Brillengestelle in der Schublade rum, die alle für mich nicht tragbar waren, und die ich eigentlich auch nie gebraucht habe. 🤔

Aber vielleicht wäre diese Augengeschichte ja eine Erklärung, warum mir niemals in den Sinn gekommen ist, eine Linkshänderin zu sein. Das Schreiben mit der rechten Hand ist mir nie schwergefallen, ich hatte eine schöne Schrift und auch immer gerne geschrieben. Und ich war mit meiner rechten Hand handwerklich sehr geschickt. Und die, während meiner Gymnasialzeit ab der Mittelstufe immer wieder aufgetretenen starken Schmerzen im rechten Arm infolge der Überforderung, wenn ich sehr viel schreiben mußte, wurden nie im Kontext einer falsch gelebten Händigkeit gesehen.

Mal schauen, ob das mit der Äugigkeit auch bei anderen, frisch geouteten, LinkshänderInnen so ist, die gar keine Probleme beim Schreiben und Tun mit rechts hatten und für die eine – jetzt erst im Zuge der Therapie entdeckte – Linkshändigkeit erst mal völlig absurd und überhaupt nicht nachvollziehbar ist.

Apropos Therapie:

Wir sind in unserer Praxisarbeit mittlerweile soweit, dass wir bei jeder neuen Patientin, jedem neuen Patienten, eine kurze Händigkeitsaufstellung machen. Die dauert nur ein paar Minuten, aber wir wissen dann, woran wir sind und können gewisse Probleme besser einordnen und angehen.

Solange nämlich jemand völlig „verdreht ist“ und gar nicht weiß, dass er/sie eigentlich LinkshänderIn, also Rechtshirn-dominant ist, wird – unserer Erfahrung nach – keine noch so gute Therapie wirklich auf Dauer Früchte tragen können.

Sollte sich in der Aufstellung keine klare Händigkeit zeigen, raten wir unseren PatientInnen sich erst einmal ganz in Ruhe mit dem Thema zu beschäftigen und es auf sich wirken zu lassen und dann gegebenenfalls eine Linkshänderberatung aufzusuchen (Adressen siehe Anhang).

Wir dürfen immer wieder erleben, wie sich für Menschen, die sich mit ihrer Händigkeitsthematik auseinandersetzen, auf einmal Türen öffnen, die vorher zwar erahnt, aber nicht gefunden werden konnten. Oder dass Dinge in die Heilung gehen, für die vorher, trotz vieler therapeutischer Ansätze, keine Lösung möglich war.

In meiner Vison kann mit der Rückkehr der Linkshändigkeit auch das Weibliche, in all seinen bunten Facetten, wieder seinen Platz in unserer Welt finden. Und wenn dann das Weibliche und das Männliche wieder in Balance kommen – im Außen wie auch in jedem von uns selbst – wird unser Planet Erde und die Menschen, die ihn bewohnen, endlich wieder aufatmen und einer rosigen Zukunft entgegensehen können.

Für mich ist heute der 8. Jahrestag der wichtigsten Entdeckung meines Lebens.
Und nach 6 Jahren Rückschulung auf meine linke Hand kann ich nur sagen,
es war die beste Entscheidung meines Lebens.



IT’S NEVER TOO LATE TO START A NEW LIFE

Rita

PS: Als „Rechtshänderin“ konnte ich übrigens noch keine Lieder komponieren und auch keine Geschichten schreiben – das kam tatsächlich erst durch die Rückschulung auf meine linke Hand 😉

Händigkeitsberatung, Tests, Rückschulungsbegleitung …

Hier einige Links zu Menschen, die in dieser Hinsicht wirken und die wir persönlich kennen:


12203 Berlin: Marina Neumann

Händigkeitstest, Rückschulung, Monatlicher offener Abend für Linkshänder in der Rückschulung, Fortbildungen Linkshändigkeit, Beratungsstelle für Linkshänder, Therapie
https://www.linkerhand.de


12621 Berlin: Inken Giza

Linkshandberatung, Händigkeitstest, Rückschulung, Seminare zu Umgang mit Linkshändigkeit in Schule und Alltag
https://linke-hand-berlin.de/


17268 Templin: Oliver Gössel

Händigkeitstestung, Rückschulungsbegleitung, Beratung zur Händigkeit in Kita, Schule, Beruf und Alltag, Vorträge über Händigkeit/Lateralität, Anleitung zu linksdominantem Musizieren
E-Mail: o.goessel(at)web.de

Bild-Nachweise:
* www.unsplash.com
* www.pixabay.com
* Buchcover „Der magische Handschuh“ von Sebastian Vollmar – https://www.vividshapes.com
* Video : Außer-Atem-Film / Berlin – https://stelladenis.de
* Privat